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Die Geschichte der Pfarre und der Kirche St. Konrad

St. Konrad Vaalserquartier

Vorgeschichte

Der Name Vaalserquartier stammt aus der Zeit des ”Aachener Reiches” zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Das Quartier bei Vaals gehörte zu den 6 (später 7) Quartieren, die das außerhalb der Stadtmauern gelegene Land, die Dörfer, Güter und Wälder umfasste. Vaalserquartier ist dabei die einzige (ehemalige) Ortschaft, die den Begriff QUARTIER noch im Namen führt. Die anderen waren: -diesseits der Wurm- das Berger-, Orsbacher- und (später) das Soerser- Quartier. Die Quartiere ”over Worm” waren Haaren, Weiden und Würselen. Dazu kamen noch direkt vor den Toren der Stadt der ”Glockenklang” und die ”Aachener Heide”, sowie die Reichsabteien Burtscheid und Kornelimünster im Osten.
Obwohl die meisten genannten Ortschaften schon früh eigene Kirchen oder sogar Pfarrkirchen besaßen, gab es in Vaalserquartier nicht mal ein Kapellchen. Fast das gesamte Gebiet gehörte nämlich zur Pfarre St. Paulus in Vaals. Die erste Kirche wird hier bereits im 12. Jh. erwähnt, von der zweiten steht heute noch der Turm (13. Jh.), -angelehnt an die Kirche der ”Hervormde Gemeente”-, der dritten von 1751 folgte die vierte von 1833. Diese Kirchen standen alle senkrecht zur Achse der erwähnten evangelischen Kirche auf dem derzeitigen Parkplatzgelände. Nach der Fertigstellung der jetzigen St. Paulus Kirche (Kerkstraat) 1893 wurde die ”Vierte” noch bis zum Abriss 1967 als ”Patronat” genutzt. An die pfarrliche Zugehörigkeit zu Vaals erinnert noch das Gebäude Alte Vaalser Str. 88, die sogenannte ”alte Kaplanei”, später auch Schule und ”Ersatzkirche”. Mit der französischen Besatzung endet das ”Aachener Reich”, Vaalserquartier wird mit der kommunalen Neugliederung Teil der ”Bürgermeisterei” Laurensberg und 1804 der Pfarre St. Jakob zugeordnet.
Da sich St. Jakob sehr wenig um die seelsorgerischen Belange in Vaalserquartier gekümmert hat, gingen die Katholiken weiterhin nach St. Paulus in Vaals zum Gottesdienst, zumal (neben Latein) die ”Kirchensprache” für Gebete, Lieder, Lesungen und auch die Predigt Deutsch war. Bei Taufe, Firmung und Hochzeit war allerdings St. Jakob zuständig.
Als die aus Deutschland vertriebenen Redemptoristen in Vaals ein neues Kloster und Kirche bauten, war ab 1874 auch für die Vaalserquartierer hier eine optimale Seelsorge möglich. Die zahlreichen Patres kümmerten sich intensiv um die deutschen Kirchenbesucher, besonders um die Kinder und Jugendlichen. Sehr viele haben dort das Fest der Ersten Hl. Kommunion gefeiert. „Et Klöstersche” hat viele Jahrzehnte -außer in Kriegszeiten- diese Dienste aufrecht erhalten können.
Am 24. September 1961 feierte man dort die letzten Gottesdienste, 1963 beginnt der Abriss von Kloster und Kirche. Auf der Ecke Maastrichterlaan- Kerkstraat befindet sich heute ein Großkaufhaus mit Parkplatz. Erhalten geblieben ist die kleine Glocke der Klosterkirche: Sie befindet sich auf dem Dach der Kapelle auf dem Schneeberg.
Eine weitere Konkurrenz für St. Jakob war das 1893 fertiggestellte Kloster der Kapuziner mit der Kirche St. Franziskus (konsekriert 1896) auf dem Westfriedhof II. Die Patres übernahmen zwar keine seelsorgerischen Aufgaben in Vaalserquartier, der Gottesdienstbesuch war aber eine echte Alternative zu Vaals und von ”Neuenhof” bis ”Venskyhäuschen” gut zu erreichen.

Neubau St. Konrad

Die amerikanischen Truppen erreichten zwar schon am 11.9.1944 die ”Reichsgrenze” (Drei Steine, Vaalser Wald), aber erst am 20.10.1944 wurde Vaals befreit und ein Tag später kapitulierten die letzten deutschen Truppen in Aachen. Schon Ende Oktober mieteten die Vaalser Redemptoristen in der Wirtschaft ”Delhez” (heute Vaalser Straße 516, Ärztehaus) ein Sälchen als Kapelle, wo für die Vaalserquartierer Gottesdienste gefeiert werden konnten. Bald war der Raum im Erdgeschoß zu klein und man zog in die 1. Etage um. Nach Entfernung vieler Zwischenwände war hier ein schöner Saal entstanden. Die offizielle Anmietung erfolgte über den Kirchenvorstand von St. Jakob, unserer sogenannten „Mutterpfarre”. Die „Notkirche bei Delhez” wurde kurz nach der letzten Kapitulation des „Deutschen Reiches” in Gebrauch genommen: Am 13.5.1945 feierten 15 Kinder aus Vaalserquartier - nach Vorbereitung durch Kaplan Adams von St. Jakob - hier das Fest der Ersten Heiligen Kommunion.
Der Autor dieses Berichts gehörte zu diesen Kindern und erinnert sich an ein tolles Friedensfest für die ganze Gemeinde!
Am 01.9.1945 wurde durch Bischof Johannes Josef van der Velden der Seelsorgebezirk Vaalserquartier zum selbständigen Rektorat erklärt und Kaplan Hans Thoma zum ersten Rektor an Sankt Konrad ernannt. Weihbischof Dr. Friedrich Hünermann übernahm am 16.9.1945 die Benedizierung der ”Notkapelle” und die Einführung des neuen Rektors.
Schon am 18.8.1946 konnte die neue Muttergottes-Statue (Bildhauer Heinrich Pütz, Wiedenbrück i.W.) gesegnet und aufgestellt werden. Ostern 1947 (6.4.1947) wurde das neue Kruzifix (Bildhauer Julius Mormann, Wiedenbrück i.W.) in der Kapelle aufgehängt.
Da der Mietvertrag durch Herrn Delhez zum 01.7.1948 gekündigt wurde, suchte man eiligst ein Ausweichquartier. Geeignete Räumlichkeiten waren jedoch nicht zu finden und so plante man einen Neubau. Als Architekt wurde Herr Wilhelm Jakobs vom Kirchenvorstand St. Jakob beauftragt. Nach mehreren Fehlversuchen wurde endlich zum 31.5.1948 der Bauantrag genehmigt. Wie und womit sollte man aber bauen, wenn bis zur Währungsreform (20.6.1948) kaum Baumaterialien zu beschaffen waren und nachher große Geldknappheit vorherrschte.
Ein paar Beispiele zur ”Geldbeschaffung”: Für das Sparguthaben von 12.806,50 RM erhielt das Rektorat ”Lt. Freigabebescheid” 640,32 DM.
Ein Pfarrfest 1948 am Berg-Cafe erbrachte immerhin 1400 DM, Rektor Thoma sammelte in seiner vorherigen Gemeinde in Hardt 1490,- DM und Pastor E.P.H. Prickaerts brachte von einer Kollekte in St. Paulus (Vaals) 400 Gulden.
Was wäre das alles ohne die großherzige Schenkung des Herrn Peter Schanz: Das gesamte Gelände Ecke Alte Vaalser und Keltenstraße (Kirche, Pfarrhaus und darüber gelegenes Gartengelände) wurde der Kirchengemeinde vermacht.
Mit viel Gottvertrauen und Eigenleistung wurde nach dem ersten Spatenstich am 7.10.1948 (Rosenkranzfest) der Aushub von Hand vorgenommen und die Bauern übernahmen mit Pferdekarren den Abtransport.
Viele Gemeindemitglieder und insbesondere Jugendliche haben kräftig mit geschaufelt und geschuftet. In 14 Tagen war das Fundament schon fertig und am 21.10.1948 fand die feierliche Grundsteinlegung mit Domprobst und Generalvikar Dr. Hermann Müssener statt.
Mit der Ausführung des Neubaus wurde der Bauunternehmer Josef Nadenau beauftragt. Die vier Gebrüder Kutsch, die man auf vielen Fotos sieht, waren wahrscheinlich als ”Subunternehmer” beteiligt. Beim ”Unterbau” -dem heutigen Konradkeller- waren immer noch viele Jugendliche engagiert: Alte Ziegelsteine von Aachener Trümmerfeldern transportieren und abkappen, schwere Bruchsteine sortieren und schleppen
Dank der günstigen Witterung machte der Kirchenneubau (Keller) schnelle Fortschritte und schon am 15.5.1949 konnte Dechant Krischer von St. Johann, Aachen, die Einweihung der ”Unterkirche” vornehmen.
Zunächst ruhten nun die Bauarbeiten (u.a. wegen Geldmangel). Erst im Juli 1950 wurde der ”Oberbau” fortgesetzt, Ende Oktober feierte man Richtfest und vor Einbruch des Winters war der Rohbau fertig.
Am 25.2.1951 war für die kleine Gemeinde wieder ein schöner Festtag: die von Herrn Heinrich Laschet gestiftete Glocke wurde auf den Namen Maria geweiht. Sie trägt die Umschrift: ”SERVUS MARIAE NUMQUAM PERIBIT” (Ein Diener Mariens geht niemals zugrunde).
Sie läutet noch heute zu unseren Gottesdiensten. Kurz darauf (Mai 1951) stiftete Frau Maria Schruff eine neue Tabernakeltüre, z.T. vergoldet und mit Emaille-Darstellungen geschmückt. Sie hängt nunmehr als Bild über der neuen Tabernakelsäule.
Ab Juli wird der Kirchenbau wieder zügig fortgeführt: Außen- und Innenputz, Verglasung, Türen und Anstreicherarbeiten. Ende Oktober will man fertig sein! Im August sind viele ehrenamtliche Mitarbeiter damit beschäftigt, das Gelände rund um die Kirche zu gestalten.
Dann ist es endlich soweit: Am 11.11.1951 erfolgt die feierliche Konsekration der neuen Kirche durch Bischof Johannes Josef van der Velden. Um 8:00 Uhr erwartet die Gemeinde den Bischof vor der Kirche. Domvikar Wäckers erklärt ausführlich die vielen Zeremonien, dann ziehen wir endlich ein. Hier wird die Weihe am Altar und den 12 Apostelleuchtern fortgesetzt. Jetzt heißt es wieder alle raus und dreimal in Prozession um die Kirche herum. Als wir dann wieder die Treppe rauf einziehen, sind wir alle ziemlich geschafft. Erst jetzt beginnt die feierliche erste Messe, natürlich nicht ohne Predigt des Bischofs. Nach dreieinhalb Stunden ist das Weihewerk vollendet.
Der Bischof, die ”Mitzelebranten” und Bauherren sind dann Gast im Hause Goldhausen (Vaalser Straße). Nach der Feier der hl. Firmung am Nachmittag, empfängt der Bischof hier auch die Vertreter der Pfarrvereine und die Lehrerschaft. Schließlich leistet er noch eine Menge Unterschriften, es ist ja gleichzeitig auch die erste offizielle Visitation der Rektoratsgemeinde. Dann verleiht er dem Pfarrrektor Thoma den Titel eines Pfarrers und … er spendet 1000,-DM für die neue Konradkirche!
Es war zwar ein anstrengender Tag -nicht nur für den Bischof-, aber auch ein froher und segensreicher für die ganze Gemeinde, weil doch so viele mit Spenden, Herz und Händen am Neubau mitgewirkt hatten.

Quellen

Chronik von Pfarrer Hans Thoma, 1945-1963;
Aufzeichnungen von Andreas Krützen.